Donnerstag, 26. Februar 2015

In my fathers steps I go #0

Ein paar unserer Klienten sind in die Psychatrie eingewiesen worden. Für mich ein Grund der Freude, wäre da nicht die lange, langweilige Fahrt immer in Richtung Westen. Weil's lustiger ist, fahren wir Kollegen oft einfach zusammen. Irgendwann bleibt als einziges Gesprächsthema nur noch unsere Klienten.
"Wie findest du Herrn A. grade?" unsere Klienten verhalten sich den Betreuern gegenüber gerne sehr unterschiedlich, deshalb sind Updates immer ganz gut.
"Ach, der ist wieder total jeck!" Meine Kollegin fasst kurz die beiden letzten Treffen zusammen und ich nicke zustimmend "ja, so ist er momentan bei mir auch - noch zwei, drei Wochen und wir können ihn auch in der Klinik besuchen. Hast du noch mal was von seinen Eltern gehört?" Seine Eltern rufen uns mindestens einmal die Woche an, um zu hören, wie es ihrem Sohn geht. Ihr Sohn ist erwachsen, lebt alleine unweit der Eltern und hat ein eigenes Telefon.
"Nee, schon lange nicht mehr (mindestens 2 Wochen), seine Mutter kommt jede Woche und bringt ihm was zu Essen, aber sonst scheint alles gut zu sein." ich blicke zufrieden aus dem Fenster, grade läuft es verhältnismäßig gut mit dem guten Herrn A.: Er nimmt brav seine Medikamente und sonst nichts anderes, geht mit uns einkaufen und räumt seine Wohnung auf. Mehr als ich je erwartet habe - mein Job macht die Erwartungen winzig klein.
"Die armen Eltern. Stell die mal vor, du bist ne ganz normale bürgerliche Familie, mit nem Häuschen in der Vorstadt und dann hast du so einen Sohn"



Der letzte Satz unseres Gesprächs begleitet mich die ganze restliche Fahrt. Auf der einen Seite sage ich meinen Klienten mit schwierigen, anstrengenden Kindern, dass sie nichts für das Verhalten ihrer Kinder können - und auf der anderen Seite gebe ich den Eltern meiner Klienten die Hauptschuld an der Erkrankung ihrer Kinder.

Kinder werden nicht einfach psychisch krank.

Donnerstag, 19. Februar 2015

Man schaut ja doch auf andere

Während wir auf's Land rausfahren, fragt meine Klientin plötzlich: "Ist ihr Beruf eigentlich schwer? Ich mein, dass muss doch irre anstrengend sein, sich den ganzen Tag die Probleme von anderen Leuten anzuhören"
Zuvor hat sie mir die lange Autofahrt über ihr ganzes Herz ausgeschüttet, sie erzählte über ihre Sorgen, aber auch über ihre Ängste und Wut.
Ich antwortete nur mit "Ach Quatsch" - mein Standart-Klienten-Satz - "ich find es interessant und man lernt doch sehr viel".
Und während Ponys und Fleckvieh an uns vorrüber ziehen, wird mir wieder bewusst, was für ein verdammtes Glück ich habe - und wie gut es mir geht. Denn ich schaue doch auf andere, auch wenn ich es meiner Klientin immer verbiete und so tue, als würde ich das nie, niemals tun.