Mittwoch, 16. September 2015

ich kann das. nicht.

Nun bin ich schon 1,5 Monate im neuen Büro und stolpere immer noch über die Hierachie.

Montag, 27. Juli 2015

Pflichtgefühl

Warum habe ich versucht, mich heute, krank wie ich bin, in die Uni zu schleppen?

Sonntag, 26. Juli 2015

Sich abgrenzen können.

Normalerweise kann ich mich erstaunlich gut gegenüber den Emotionen anderer abgrenzen. Das Schicksal meiner (ehemaligen!) Klienten nimmt mich kaum mit, was meist dazu führt, dass ich eher wenig mitfühlend arbeite, sondern eher analytisch.

Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Situationen in denen es mir dann umso schwerer fällt mich abzugrenzen: Dieses Semester fühlte sich an, als würden wir einen Master of Complaining machen. Alle herum jammerten, waren enttäuscht, schlecht gelaunt. Ja, das eine Seminar ist schlecht organisiert, die Dozenten eher mittelmäßig und wir haben viel zu tun. Aber so what? Schlechte Laune hilft akut nicht, das Problem zu ändern. Und obwohl ich das alles weiß, ließ ich mich davon anstecken.
Woran liegt das, dass ich mich nicht immer gut abgrenzen kann?

Samstag, 25. Juli 2015

Wir sitzen im Wartesaal zum Glücklichsein.

Manchmal, wenn ich abends noch am Laptop sitze und noch nicht schlafen möchte, rufe ich diesen Blog auf höre mich durch die Musik der letzten Jahre. Jahre? Echt? Naja, durch die Musik der letzten Zeit. ;D
Grade habe ich voll den Hang zu Bosse, dessen Texte ich sehr schätze. Besonders die traurigen.
Und deshalb gibt es heute:
Wartesaal - Bosse.

Freitag, 29. Mai 2015

Stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung eigentlich jemals überein?

Ich sitze in der Uni und plötzlich klebst du mit ein Post-It in meine Unterlagen - es ist bis auf den letzten Milimeter beschrieben: "Du bist immer so gut organisiert und weißt immer, was du willst. Wie machst du das?".

Hä? Ich gut organisiert und weiß was ich will? Bitte was?
In meinem Kopf bin ich total chaotisch, unorganisiert, vergesse andauernd Dinge (außer ich schreibe sie auf) und tapse orientierungslos durch die Welt und weiß überhaupt nicht, wohin ich möchte, was ich dort möchte und wie ich dort hinkomme.
Gut, dass ich jetzt weiß, dass ich nicht so wirke. Danke!

In der Arbeit mit psychischkranken Erwachsenen hatte ich natürlich meine Lieblinge, auch wenn ich versucht habe, das nicht zu zeigen. In der Retrospektive denke ich, dass das die Menschen waren, die mir ähnlich sind. Frau Ziege zum Beispiel: Wie Ziegen so sind, geht sie immer ihren eigenen Weg, macht nur das, was sie für richtig hält, lässt sich schwer beeinflussen und sagt immer was sie denkt. Auf den ersten Blick eine ziemlich starke Persönlichkeit. Aber ich wurde in der ganzen Zeit das Gefühl nicht los, dass sie tief im Inneren völlig orientierungslos durch die Welt tapst.
Genauso wie ich.

Freitag, 22. Mai 2015

Exhausted | Manchmal ist es besser zu gehn.

"Ich bin so froh, wenn ich meinen Job kündigen kann!" sagte ich letzten Sommer, als ich dich traf. Du - immerzu über deinen Job jammernd - hattest mich mit der Jammerei angesteckt.

Am Mitwoch hatte ich dann meinen letzten Arbeitstag. Die Zeit davor war ganz sonderbar.
Die Kündigung ist mir wahrlich nicht leicht gefallen - ich habe mich aus irgendeinem grund ziemlich schlecht gefühlt. Ich mag meine Kollegen und meine Klienten sehr - wie kann ich sie denn jetzt alleine lassen? Füheln sie sich vielleicht vor den Kopf gestoßen, weil ich finde, dass die Arbeit und ich nicht mehr passen? Wie reagieren sie auf den Bezeihungsabbruch?
Auf der anderen Seite war ich mit der Qualität meiner Arbeit nicht (mehr) zufrieden. Das Studium nimmt mich doch sehr in Anspruch, ich verlor den Überblick über das Leben der Klienten, war nur noch eine kurze Zeitspanne pro Woche erreichbar und hatte einfach generell den Eindruck das flexible Konzept des Betreuten Wohnens passt nicht mit dem starren Konzept der Uni zusammen. Auch, wenn ich das mal anders eingeschätzt habe.
Aber komme ich mit weniger Geld aus? Wie viel Geld brauche ich eigentlich? Wie viel Geld ist "nice to have"? Wofür gebe ich eigentlich Geld aus? (Ich rechnete viel und beschloss dann, dass ich ein paar Monate ohne Job gut leben kann). 

Kurz: Vor dem Moment der Kündigung hatte ich ziemliche Angst - aber danach viel ganz viel Last von mir ab. Ich war viel entspannter - im Grunde musste nur der verbleibende Monat sinnvoll mit den Klienten gestaltet werden - keine großen Projekte mehr, keine Versuche, irgendetwas zu ändern.

"Ich habe meinen Job gekündugt!" war im letzten Monat der Satz, den ich am meisten gesagt habe. Meistens mit viel Freude, so wie der Smiley, der lacht und die Arme nach oben reißt.
Bis auf:
Ich saß in der Mittagspause vor der Uni, ziemlich müde und erschöpft, als eine Freundin fragte, ob ich denn nicht mit streiken würde. Kopfschüttelnd erklärte ich "Ich habe gekündigt und die zwei Mal würde ich gerne noch mal meine Klienten sehn". Ich glaube, ich hörte mich ziemlich müde und abgekämpft an.
Und da wusste ich wieder: Trotz dem ganzen Spaß den ich im letzten Monat mit den Klienten hatte - Soziale Arbeit ist anstrengend und mir persönlich grade zu anstrengend.

Donnerstag, 26. Februar 2015

In my fathers steps I go #0

Ein paar unserer Klienten sind in die Psychatrie eingewiesen worden. Für mich ein Grund der Freude, wäre da nicht die lange, langweilige Fahrt immer in Richtung Westen. Weil's lustiger ist, fahren wir Kollegen oft einfach zusammen. Irgendwann bleibt als einziges Gesprächsthema nur noch unsere Klienten.
"Wie findest du Herrn A. grade?" unsere Klienten verhalten sich den Betreuern gegenüber gerne sehr unterschiedlich, deshalb sind Updates immer ganz gut.
"Ach, der ist wieder total jeck!" Meine Kollegin fasst kurz die beiden letzten Treffen zusammen und ich nicke zustimmend "ja, so ist er momentan bei mir auch - noch zwei, drei Wochen und wir können ihn auch in der Klinik besuchen. Hast du noch mal was von seinen Eltern gehört?" Seine Eltern rufen uns mindestens einmal die Woche an, um zu hören, wie es ihrem Sohn geht. Ihr Sohn ist erwachsen, lebt alleine unweit der Eltern und hat ein eigenes Telefon.
"Nee, schon lange nicht mehr (mindestens 2 Wochen), seine Mutter kommt jede Woche und bringt ihm was zu Essen, aber sonst scheint alles gut zu sein." ich blicke zufrieden aus dem Fenster, grade läuft es verhältnismäßig gut mit dem guten Herrn A.: Er nimmt brav seine Medikamente und sonst nichts anderes, geht mit uns einkaufen und räumt seine Wohnung auf. Mehr als ich je erwartet habe - mein Job macht die Erwartungen winzig klein.
"Die armen Eltern. Stell die mal vor, du bist ne ganz normale bürgerliche Familie, mit nem Häuschen in der Vorstadt und dann hast du so einen Sohn"



Der letzte Satz unseres Gesprächs begleitet mich die ganze restliche Fahrt. Auf der einen Seite sage ich meinen Klienten mit schwierigen, anstrengenden Kindern, dass sie nichts für das Verhalten ihrer Kinder können - und auf der anderen Seite gebe ich den Eltern meiner Klienten die Hauptschuld an der Erkrankung ihrer Kinder.

Kinder werden nicht einfach psychisch krank.

Donnerstag, 19. Februar 2015

Man schaut ja doch auf andere

Während wir auf's Land rausfahren, fragt meine Klientin plötzlich: "Ist ihr Beruf eigentlich schwer? Ich mein, dass muss doch irre anstrengend sein, sich den ganzen Tag die Probleme von anderen Leuten anzuhören"
Zuvor hat sie mir die lange Autofahrt über ihr ganzes Herz ausgeschüttet, sie erzählte über ihre Sorgen, aber auch über ihre Ängste und Wut.
Ich antwortete nur mit "Ach Quatsch" - mein Standart-Klienten-Satz - "ich find es interessant und man lernt doch sehr viel".
Und während Ponys und Fleckvieh an uns vorrüber ziehen, wird mir wieder bewusst, was für ein verdammtes Glück ich habe - und wie gut es mir geht. Denn ich schaue doch auf andere, auch wenn ich es meiner Klientin immer verbiete und so tue, als würde ich das nie, niemals tun.