Montag, 21. Juli 2014

money can't buy me love

Wir saßen unter einem großen Sonnenschirm in einem Café in der Innenstadt einer großen deutschen Stadt, ich schürfte eine große Apfelschorle während ich dir zuhörte. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen, schon komisch, jetzt mit dir hier zu sein, schließlich haben wir uns damals fast täglich gesehen.
Also erzählst du, was so passiert ist in den letzten Jahren. Von deinem Job, der unheimlich viel Zeit frisst, der dich sehr verändert hat, du wirkst plötzlich älter, erwachsener. Wir albern nicht mehr herum, so wie damals. Wir sind ernster. Du erzählst von den Strapazen: Die vielen Dienstreisen, um die ich dich ein wenig beneide, den Ballast, den du dank Schweigepflicht nicht teilen kannst, um den ich dich nicht beneide, denn den kenne ich nur zu gut und du erzählst, dass du kaum Zeit hast, dein Gehalt auf den Kopf zu hauen. Du schwärmst von deinem neuen Auto, mit dem mein kleiner Opel nicht mithalten kann, und deinen privaten Reisen, um die Reise in den Norden der Welt beneide ich dich. Sehr.

Ich erzähle kurz von meinem Halbtagsjob, davon dass ich grade Überstunden abbaue und hier und da ein paar Tage zu Hause bleiben kann und dann Zeit habe, einer Freundin meine Stadt zu zeigen oder meine frisch operierte Schwester ganz spontan zu besuchen. Ich erzähle, dass ich am Ende des Monats immer noch Geld übrig habe, obwohl das gar nicht sein kann - schließlich wohne ich mitten in der Stadt, zahle verdammt viel Miete und kaufe am Liebsten in der Bioabteilung. Ich überlege laut, ob ich meine Steuerrückzahlung dem Projekt, in dem ich ehrenamtlich arbeite, zukommen lassen soll. Es ist der Grund, warum ich plötzlich so viele, nette Menschen kennen gelernt habe und ein paar Nächte ganz viel Spaß hatte. Und was soll ich mit dem Geld?

Als ich abends mit dem Zug in den Düsseldrofer HBF einfahre steht kurz nach der Haltestelle Werhahn "Geld macht dumm" an einer Wand. Jemand anderes kritzelte "Armut auch" drunter (wie schade, dass ich davon kein Foto machen konnte!). Wie gut, dass ich mich in der Mitte befinde.


[Grüße an dich, falls du das hier ließt. ;)]