Montag, 2. Dezember 2013

Schätze

Montags Morgens begleite ich manchmal eine Klientin zur Maltherapie. Sie ist depressiv und antriebsgemindet, wie es die Ärztin so schön unpersönlich ausgedrückt hat. Es tut ihr gut, für ein paar Stunden mit anderen Frauen zusammen zu sein und etwas Künstlerisches zu schaffen. Während ich im Atelier auf meine Klientin warte, kommt eine andere Teilnehmerin zu mir: "Weil Sie so jung und hübsch sind, bin ich motivierter, hierhin zu kommen und was Tolles zu schaffen." Hach.  Deshalb liebe ich meinen Beruf und möchte mit niemandem tauschen. Außer vielleicht mit dem Kunsttherapeuten.

Donnerstag, 21. November 2013

Challenge accepted

Zu manchen Menschen ist es so schwer, einen Zugang zu finden, dass sie nahezu automatisch zu "meiner Challenge" werden. Irgendwie wecken diese Menschen in mir den Ehrgeiz, zu beweisen, dass die Menschheit doch ziemlich cool ist (und wir alle keine Monster sind). Meine letzte Challenge ist ein Klient. Und ich bin sehr froh, dass ich die Challenge-Person in diesem Kontext kennen gelernt habe. Hätten wir uns privat kennengelernt, würde uns mein Ehrgeiz auffressen.

Mittwoch, 13. November 2013

Doppelgänger

Neulich auf der Arbeit:

Es klingelt. Ich öffne die Türe und vor mir steht einer meiner Klienten. Schneller als ich ihn reinbitten kann, zückt dieser sein Portemonnaie und hält mir seinen Personalausweis unter die Nase.
"Sehen Sie? Da sind zwei Fotos auf meinem Perso. Einmal das Normale, das sehen sie ja." Ich nicke und betrachte den jungen Klienten auf dem Foto. "Ja, und einmal, das sieht man nur schwer... Wenn man den Perso gegens Licht hält, sehen Sie? Da sieht man noch ein zweites Foto." Wow, denke ich mir, da hat sich einer aber ausgiebig mit seinem Perso beschäftigt und nicke anerkennend.
"Ja, das ist mein Doppelgänger! Ich hab extra ein Foto auf den Perso machen lassen, damit ich zeigen kann, wie er aussieht. Also, wenn er hier steht und sich als ich ausgebe: Lassen Sie ihn nicht rein. Sie müssen genau hinsehen, der sieht aus wie ich und gibt sich als ich aus."

Samstag, 9. November 2013

wunderbare weiche Wattewelt

Damals war ich aufgeregt, als ich zum ersten Mal mit dem Auto an Grafenberg vorbei fuhr. "Ach, das ist übrigens die Psychatrie hier", sagte die Fahrerin damals ganz beiläufig. Ich schaute nur mit großen Augen auf die Gebäude, so schlimm sahen die gar nicht aus. Seit diesem Tag übt die Psychiatrie eine gewisse Anziheungskraft auf mich aus.
Jahre später gehört ein Besuch in einer der Kliniken hier im Umkreis zum wöchentlichen Programm. Die normalen Stationen sind ganz angehem. Alle Klienten sind mehr oder weniger auf einem Haufen, man hat kurze Wege und wenn ein Klient mal nicht da sein sollte, dann kommt er meist bald wieder.
"... ist auf der 11." ist allerdings in diesem Kontext ein Satz, den ich weniger gerne höre. Denn die 11 ist die geschlossene Station. Besuche dort sind eher anstrengend. Zunächst einmal muss man klingeln, damit man reingelassen wird. Und dann sieht man nicht mehr als den Besucherraum von der Station. Hier wartet man auf den Klienten, quatscht mehr oder weniger erfolgreich über den Klinikaufenthalt und bespricht mit ganz viel Glück ein paar ernste Themen, bevor man wieder klingelt, um rausgelassen zu werden. Danach bin ich froh, ein paar gierige Atemzüge frische Luft in mich einzusaugen. Denn die gibt's auf der Geschlossenen nicht.

Sonntag, 8. September 2013

den Rhein überqueren



Mhm, es war doch recht still hier. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Mittlerweile bin ich aus Schweden zurück, bin von Aachen nach Köln gezogen und war für drei Wochen in Schottland, für eine Woche in Berlin, für 4 Tage in Belgien und für ein Wochenende in Kopenhagen. Am meisten verliebt habe ich mich eindeutig in Schottland.
Ob mir das Wetter dort nichts ausmacht, wurde ich gefragt. "I belong to the north" sagte ich zu einem netten Engländer, der mit seinem Vater vor ein paar Jahren in den Norden gezogen ist. Die Klippen, der starke Wind, die raue See. Am meisten gefällt mir jedoch die Weite, wenn man über's Meer blickt. Man sieht einfach nur Meer und Himmel, soweit das Auge reicht. Und wer besonders scharfe Augen hat, erblickt vielleicht die Fair Isle am Horizont, deren Leutturm uns nachts den Weg geleutet hat.
"You should come back some time!" sagte der Engländer am letzten Abend, den wir klassisch im Pub verbrachten. "Definitely!" war meine Antwort. Ich komme wieder, anyway.